Ein Tag zum StreichenEin Tag zum Streichen

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 Heute unser Slogan „mehr Glück als Verstand“ ins absolute Gegenteil umgeschlagen. Soviele unglückliche Zustände an einem Tag kommen wirklich selten vor.
Geplant war es, pünktlich um acht ein Auto, welches wir reserviert hatten, auszuleihen und damit gegen Mittag im Iya Valley anzukommen, die berühmte Brücke zu besichtigen und abends auf dem Zeltplatz einzukehren. Soweit die Theorie. In der Praxis scheiterten wir genau jetzt. Die beiden älteren Herren der Autovermietung sahen die Führerscheinübersetzung an, stutzten, tuschelten und meinten dann, dass diese abgelaufen sei, das sie 2015 ausgestellt wurde. Wir versuchten in Englisch, Japanisch, mit Hand und Fuß zu erklären, dass die Übersetzung unbegrenzt gültig ist, wenn man nicht durchgehend in Japan lebt – nur dann verfällt sie nach einem Jahr. Die beiden Männer wollten das nicht verstehen und wir diskutierten sage und schreibe anderthalb Stunden. Wir hatten sogar die deutsche Botschaft am Telefon, die den beiden Herren versicherte, dass wir im Recht sind, doch diese setzten sich über das Recht hinweg und entschieden, uns kein Auto zu geben.
Die Dame von der Botschaft deutete an, dass das eventuell auch in anderen Vermietungen passieren könnte, wenn diese nicht mit den Regeln vertraut wären. Sie meinte, dass die Botschaft bis mittags geöffnet habe und wir schnell nach Osaka kommen sollten, um uns sicherheitshalber eine neue Übersetzung ausstellen zu lassen.
Wir zögerten zunächst, fuhren dann aber doch in die Nachbarstadt und fuhren in den 35. Stock des Umeda Sky Buildings. Erschöpft kamen wir dort an, weil wir die schweren Rucksäcke die ganze Zeit mit uns trugen, es draußen unbeschreiblich heiß war und die Sonne brannte.
Die Frau, mit welcher wir telefoniert hatten war unglaublich nett und stellte uns in Rekordzeit eine neue Übersetzung aus. Sie verkündete noch, dass sie hoffe, dass wir noch einen Wagen bekämen, da heute Feiertag wäre.
Und genau das wurde uns zum Verhängnis. Vier Autovermietungen in Osaka kreuzten auf unsere Anfrage die Hände, sie seien ausgebucht. Zwischen jeder Vermietung lag mindestens ein Kilometer Fußmarsch mit unserem Gepäck und der Sonne im Nacken.

Verzweifelt entschieden wir, unseren Stolz zu begraben und zu der Autovermietung von heute morgen zurückzukehren. Wieder fuhren wir mit dem Zug von Osaka nach Kobe und legten den Herren die neue Übersetzung vor, worauf einer nur meinte, das Auto sei bereits vergeben.
Enttäuscht, wütend, kaputt und entnervt stiegen wir abermals in eine Zug und fuhren zur Sannomiya Station. Dort wurde uns in weiteren 5 Vermietungen die Hoffnung geraubt, am selben Tag noch mit einem Auto an unser Ziel zu gelangen. Absolut k.o. setzten wir an den Straßenrand und dachten nach…bleiben wir in Kobe? Bekommen wir doch irgendwo ein Auto her?

Wir googelten und suchten und suchten. Gegen 13.00, fünf Stunden nachdem wir mit dem Auto starten wollten, fanden wir den wahrscheinlich letzten Wagen in der ganzen Gegend. Sofort reservierten wir diesen und sammelten nochmal die letzten Reserven für den beschwerlichen Weg zur letzten Hoffnung.
Zwei mal Umsteigen und 1,9 km Fußmarsch mit knapp 14 Kilo Rucksack auf den Schultern, brennender Hitze, ohne einen Hauch Schatten und dazu noch Steigung, kamen wir schwitzend und hechelnd am Toyota Rent a Car an.
Die junge Mitarbeiterin sprach kein einziges Wort englisch, was ihr immer wieder den Anlass gab, über sich selbst und den Umstand des Redens mit Hand und Fuß in schallendes Gelächter auszubrechen. Ihre Bemühungen waren so niedlich und erfrischend, fast schon wie das Gefühl, als wir 15.00 Uhr in einem Toyota Passo Platz nahmen.
Wir starteten tatsächlich ins Iya Valley. Der Verkehr wurde aufgrund des verlängerten Wochenendes jedoch immer zäher und als die Mautstrecke wegen eines Unfalls komplett gesperrt wurde, ein Polizist als Warnung zwei Pyro-Stäbe zündete, auf die Fahrbahn legte und der gesamte Verkehr über die Dörfer geschickt wurde, zeigte das Navi bereits eine Ankunftszeit von um 10 an. Unseren reservierten Bungalow auf dem Zeltplatz sagten wir leise tschüss.
Es war stockdunkel, als wir am Zielort ankamen. Und der Tag setzte sich fort, wie er begann. Zwei Stunden lang klapperten wir alle Hotels ab, fuhren die engsten Serpentinen, durch dunkle gruselige Tunnel, an steilen Berghängen entlang und blieben doch erfolglos. Wir hatten uns satt und waren am Ende unsere Kräfte. Noch einmal verteufelten wir die beiden alten Männer, denen wir das verdankten.
Da nun eh nichts mehr zu machen war, stellten wir uns auf den halbwegs beleuchteten Parkplatz eines Hotels und übernachteten im überhitzten Auto. Den Tag wollten wir aus dem Gedächtnis streichen…

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1 Gedanke zu „Ein Tag zum StreichenEin Tag zum Streichen

  1. Auch wir haben mit euch gelitten, geschwitzt und waren verärgert über die beiden „Knispel“ von der Autovermietung. Dieser Tag wird euch (auch wenn ihr es nicht wollt) in Erinnerung bleiben.

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